Städtepartnerschaftsverein   Finsterwalde-Montataire

v.l.n.r. Rainer Pilz, Anja Zajic, Uwe Drahn, Landrat Christian H.-Jaschinski

Begründung für die Auszeichnung des
Partnerschaftsvereins Finsterwalde-Montataire e.V. mit dem
„Preis für Heimatpflege“ des Landkreises Elbe-Elster

 

Ende April 1962 fuhr ein Renault R4 quer durch Westdeutschland in Richtung der innerdeutschen Grenze. Einer der drei Insassen war Bürgermeister einer kleinen Stadt in der Picardie und er hatte während der Kontrollen durch deutsche Uniformierte besonders gemischte Gefühle. Von 1939 bis 1945 kämpfte Marcel Coëne noch im französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer.

Der Reise war eine Einladung zum ersten Kolloquium europäischer Bürgermeister und Kommunalpolitiker für den 28. und 29. April 1962 nach Dresden vorausgegangen. Auch eine Delegation aus einer Kleinstadt in der Niederlausitz war auf dem Weg dorthin. Allerdings nahmen die Bürgermeister von Finsterwalde und Montataire schon vor dem Termin schriftlich Kontakt auf. Der französische Amtsinhaber Marcel Coëne und seine Frau bestätigten, dass sie die damalige DDR kennenlernen wollten. Auch freute er sich über das Angebot des deutschen Amtskollegen Kurt Krengel, zehn französische Kinder vier Wochen lang in einem Kinderferienlager der DDR unterzubringen.

In dieser ersten Begegnung im Mai 1962 wurde der Vorschlag für eine Partnerschaftsvereinbarung zwischen den beiden Städten Montataire und Finsterwalde zusammengestellt. Inhalt dieser waren zum Beispiel 10 Austauschplätze für Kinderferienlager zu schaffen und Kinderzeichnungen der Schulen auszutauschen - um nur zwei von dreizehn Punkten der Vereinbarung zu nennen.

Als Besucher nach Finsterwalde gekommen, fuhren sie als  Freunde der Sängerstadt zurück nach Montataire und versicherten, eine gute Kameradschaft mit der Stadt Finsterwalde zu halten. Sie vereinbarten, den Erfahrungsaustausch auf kommunalpolitischem Gebiet zukünftig fortführen zu wollen. Bereits im August 1962 fand für Kinder aus Montataire das erste Ferienlager im Osten Deutschlands statt und es wurde ein Freundschaftskommitee der Städte gebildet. Dank dieses Vorläufers der heutigen Partnerschaftsvereine besuchten Delegationen aus Montataire jährlich die Sängerstadt Finsterwalde. Gegenbesuche von Finsterwalder Delegationen in Frankreich wurden zwar erst 1979 möglich, fanden von dort an aber auch regelmäßig und stets voller Vorfreude statt. Ab 1983 erfolgte der bilaterale Austausch von Jugendgruppen. Natürlich wurden die freundschaftlichen Beziehungen, entsprechend der Forderungen durch die politisch übergeordneten Stellen, immer auch zum Erreichen außenpolitischer Ziele genutzt.
Doch zeugten persönliche Bemerkungen in den Briefen zwischen Finsterwalde und Montataire von Beginn an auch von tatsächlich freundschaftlichen Beziehungen, die durch politische Unterschiede auf nationaler Ebene nicht gestört werden konnten.

Die Partnerschaft zwischen Finsterwalde und Montataire gehört zu den wenigen deutsch-französischen Partnerschaften aus DDR Zeiten, die bis in die Gegenwart fortbestehen. War sie vor der Wende nur einem kleinen Personenkreis vorbehalten, so ist sie heute eine Sache der Bürger beider Städte. Dies ist der Verdienst der beiden Partnerschaftsvereine, die sich um den Austausch, die Besuche und weitere Kontakte der Bürgerinnen und Bürger von Montataire und Finsterwalde bemühten.

Die anfängliche Partnerschaft hat sich seit dem Fall der Mauer zu einem festen Fundament der Verbundenheit zwischen den Montatairiens und den Finsterwaldern weiterentwickelt. Vielfältige Bürgerschaftsbegegnungen, begleitet von Schüler- und Jugendaustauschen oder Kultur- und Sportvereinsbegegnungen prägen das Partnerschaftsleben bis in die heutige Zeit. Eine zentrale Rolle in der Partnerschaft nimmt der langjährige Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Michel Ringenbach, ein. Er weilte 1972 erstmals in Finsterwalde, half beim Aufbau des Tierparks und dolmetschte seit 1976 bei den Besuchen in Finsterwalde. Sein Anteil am Fortbestehen der Städtepartnerschaft ist unschätzbar. Der Träger der Louis-Schiller-Medaillie fädelte die meisten Kontakte zwischen den beiden Städten ein und betreute auch stets die Finsterwalder in Montataire. Dazu gehören auch die in beiden Ländern bereits seit 25 Jahren stattfindenden Probefreizeiten mit anschließenden Konzerten der Musikschule Montataire und der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ des Landkreises Elbe-Elster.

Aber auch ganz private Lebensfäden haben sich durch die Beziehung beider Städte verbunden. So hat eine junge Lehrerin, aufgewachsen in Montataire, ihre Heimat und ihr Glück in der schönen Sängerstadt gefunden. Die Pflege der Freundschaft zwischen den Städten Montataire und Finsterwalde über eine so lange Zeit, bedurfte das Engagement vieler Menschen. Neben dem bereits genannten Ehrenpräsidenten des Partnerschaftsvereins auf französischer Seite, Michel Ringenbach, und der ehemaligen Vorsitzenden des Finsterwalder Partnerschaftsvereins, Elke Bolze, beiden Bürgermeistern Kurt Krengel und Marcel Coëne, haben die früheren Altbürgermeister Johannes Wohmann und Maurice Bambier einen großen Anteil am Fortbestehen der Städtepartnerschaft. Dem französischen Stadtoberhaupt Jean-Pierre Bosino und dem Finsterwalder Bürgermeister Jörg Gampe gilt stellvertretend für die vielen weiteren Engagierten der gleiche Dank wie den heutigen Vereinsvorsitzenden Benjamin Benoist und Uwe Drahn. Sie haben sich auch während der letzten beiden Jahre, als persönliche Kontakte kaum möglich waren, mit Nachrichten und Telefonaten über die weiteren Planungen der Städtepartnerschaft ausgetauscht und die Feiern zum 60-jährigen Jubiläum in diesem Jahr maßgeblich vorbereitet.

Dieses Engagement der Partnerschaftsvereine in den beiden Städten Finsterwalde und Montataire für die Beziehungen und die Freundschaft zwischen den Menschen beider Länder verdeutlicht, wie wichtig uns unsere gemeinsame europäische Heimat ist und bleiben muss.

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